Krankenkassen als Partner der kommunalen Gesundheitsförderung und Prävention. Erfolgsbedingungen der Umsetzung des Präventionsgesetzes durch die Kommunen in NRW


 

Ziel und Hintergrund des Forschungsprojekts


Prävention und Gesundheitsförderung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Durch präventive und gesundheitsförderliche Maßnahmen können insbesondere chronischen Erkrankungen vermieden, ihr Schweregrad verringert bzw. ein Krankheitseintritt im Lebenslauf verzögert werden. Zudem können Prävention und Gesundheitsförderung dazu beitragen, gesundheitlichen Ungleichheiten zu verringern, denn viele Erkrankungen sind sozial, aber auch sozialräumlich hochgradig ungleich verteilt.

Gesundheit ist kein statischer Zustand, sondern muss jeden Tag aufs Neue "hergestellt" werden, Vorbeugende Gesundheitspolitik setzt deshalb am besten im Alltag der Menschen an. Die kommunale Ebene bietet sich besonders für Gesundheitsförderung und Prävention an, denn Kommunen sind nicht nur besonders nahe an den Lebenswelten der Menschen, sie stellen auch einen relevanten Regelungsraum für unterschiedliche Lebenswelten (z.B. Schulen, KiTas, Stadtteile) dar. Zudem verfügt der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) auf kommunaler Ebene in Nordrhein-Westfalen über professionelles Wissen und kleinräumige Daten, die regelmäßig auch über kommunale Gesundheitsberichte veröffentlicht und im Rahmen von Kommunalen Gesundheitskonferenzen (KGK) diskutiert werden.

Die unterschiedlichen Bedarfslagen der Menschen werden also auf kommunaler Ebene besonders sichtbar und wirkungsvolles Handeln ist hier als "health in all policies" sektorenübergreifend möglich. Dies beinhaltet ein gemeinsames strategisches Handeln unterschiedlicher Fachbereiche der öffentlichen Verwaltung (Soziales, Sport, Familie, Städtebau, Bildung etc.) sowie die Zusammenarbeit mit weiteren gesellschaftlichen Akteuren und den Menschen vor Ort mit dem Ziel Gesundheit zu verbessern und gesundheitliche Ungleichheit zu reduzieren. Allerdings sind in vielen Kommunen Nordrhein-Westfalens die finanziellen Mittel knapp oder gar nicht vorhanden, um freiwillige Leistungen in den Lebenswelten anbieten zu können. Viele Projekte in den Kommunen und Lebenswelten finanzieren sich deshalb über Förderinstrumente der Länder oder des Bundes, über Stiftungen und zum Teil über Mittel der Krankenkassen.

Im Juli 2015 hat der Bundestag ein Präventionsgesetz verabschiedet. Das Gesetz verpflichtet die gesetzlichen Krankenkassen, Leistungen der Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten (§ 20a SGB V) zu erbringen. Für die Kommunen entstehen hierdurch neue Möglichkeiten der Kooperation mit den Krankenkassen. Die Kommunen kennen die lokalen Bedarfe und Strukturen und verfügen über Kontakt zu den vielen unterschiedlichen Akteuren vor Ort. Die Krankenkassen wiederum können die Kommunen mit Fachwissen und zusätzlichen finanziellen Mitteln bei der Durchführung von Präventions- und Gesundheitsförderungsprojekten unterstützen.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Erfolgs- und Hinderungsbedingungen der Zusammenarbeit der Kommunen und Krankenkassen im Bereich der kommunaler Prävention und Gesundheitspolitik zu ermitteln. Im Zentrum der Analyse steht deshalb die Interaktion der beteiligten Akteure. In einem ersten Schritt werden die Kommunen in NRW zum Stand der Gesundheitsförderung und Prävention, zu den Formen der Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene und zur Umsetzung des Präventionsgesetzes bzw. der Vorgängerregelungen befragt (Ist-Analyse). Basierend auf dieser Ist-Analyse werden dann in einem zweiten Schritt einzelne Kommunen ausgewählt, um dort die Erfolgs- und Hinderungsfaktoren der Gestaltung präventiver und gesundheitsförderlicher Politiken und insbesondere einer erfolgreichen Antragsstellung und Kooperation mit den Krankenkassen mithilfe qualitativer Interviews näher zu untersuchen.