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Regionale Schwerpunkte: Mittelmeerraum, "Mainstream American Culture" und Indien

Ethnologen/Sozialanthropologen beschäftigen sich zwar mit allgemeinen Fragestellungen zum Menschen als Kulturwesen, sie führen ihre Forschungen aber in konkreten Kulturen und Gesellschaften durch und werden so oftmals zu Regionalspezialisten. Kenntnisse aus diesen Forschungen fließen natürlich auch stark in das jeweilige Lehrangebot ein, andere Regionen dagegen werden in den Veranstaltungen weniger behandelt. So versteht sich Prof. Haller z.B. nicht als Experte für afrikanische Kulturen. Seine eigenen Schwerpunkte liegen im Mittelmeerraum und in den USA, und in den Veranstaltungen wird daher häufiger auf Texte und Beispiele aus diesen Regionen zurückgegriffen.

Der Lehrstuhl ist in der Initiative "Mittelmeerzentrum der Ruhr-Universität Bochum" maßgeblich beteiligt. Darüber hinaus wird der Lehrstuhl 2009-2011 von der ausgewiesenen Mittelmeerethnologin Prof. Heidrun Friese vertreten und von der im Mittelmeerraum forschenden Lehrbeauftragten cand.phil. Sarah Weber unterstützt.

Darüber hinaus wird in Lehre und Forschung ein Regionalschwerpunkt "Mainstream American Culture" (MAC) aufgebaut (siehe http://easaonline.org/networks/mac/).

Zeithistorisch ist das Bemühen um die Erforschung der MAC in die insbesondere im Zuge des Zweiten Irakkrieges beklagte "Krise des Westens" eingebettet, der Feststellung eines übrigens auch innerhalb der USA vorhandenen Unverständnisses bezüglich "’des’ Tickens ‚der’ Amerikaner" (das man mit dem Beststellertitel von Thomas Frank – "What’s the matter with Kansas?" – nicht besser auf den Punkt bringen könnte)

Die US-amerikanische Mehrheitskultur und Gesellschaft selbst ist – sofern es sich nicht um Minderheiten wie "Native Americans" handelt – kaum Gegenstand der sozialanthropologisch/ethnologischen Forschung, und es gibt bislang kein einziges sozialanthropologisch/ethnologisches Institut in Deutschland und Europa (und auch nur ganz marginal in den USA selbst), das sich schwerpunktmäßig mit ihr auseinander setzt.

Für Bochum bedeutet dies zum Einen, dass wir uns (neben dem Mittelmeerraum) immer wieder mit den Alltagskulturen des US-amerikanischen Mainstream auseinander setzen werden.

Zweitens geht es darum, die "Mainstream American Culture" mit der kulturellen Praxis der Wissensproduktion in Beziehung zu setzen. Die theoretische Ausgangsüberlegung dazu ist, dass Wissensproduktion niemals akulturell, sondern immer von konkreten kulturellen Kontexten geprägt ist. Nationale Wissenschaften beispielsweise kann man nicht verstehen, wenn man sie ausschließlich gedankengeschichtlich als "Texte" liest, sondern nur im Zusammenhang mit den (alltags)kulturellen, historischen und sozialen Bezügen ihrer jeweiligen Gesellschaften: Diese beeinflussen die wissenschaftlichen Kategorien, Gegenstände, Theoriebildungen und Arbeitsweisen. So haben Fardon et al. (1990) in dem Band Localizing Strategies nachgewiesen, dass ethnologische Theorien häufig anhand ganz konkreter Fallkulturen entwickelt wurden (z.B. Tauschtheorien anhand von melanesischem Material).

Spezifisch in den USA relevante (alltags)kulturelle und soziale Erfahrungen und Sichtweisen müssten sich daher auch in der internationalen Theoriebildung wiederfinden – etwa in der Identitätsforschung, in der Beziehung Individuum-Wirtschaft, in Gemeinschafts- und Gesellschaftskonzepten, in der Geschlechter- und der Grenzlandforschung und in anderen Bereichen. Der Schwerpunkt "Mainstream American Culture" schließt sich damit der allgemeinen Theoretisierung in anderen Bereichen der Wissensforschung (etwa im Bereich von Gender, Globalisierung, Desire und "Rasse") an, in denen hegemoniale Perspektiven ("male bias", Neoliberalismus, "whiteness") in ihrer Form, Wirkungsweise und Funktion betrachtet und somit kulturalisiert werden.

Drittens streben wir den Aufbau gemeinsamer und dauerhafter Strukturen zwischen amerikanischen und europäischen Institutionen/Wissenschaftlern an, die sich der Erforschung der "Mainstream American Culture" widmen.