Organisierte Gewalt, neue Migrationsverläufe und Entwicklung: Eine vergleichende Studie in Europa und Amerika

Das Verständnis internationaler und insbesondere forcierter Migration ist von zunehmender Bedeutung für Wissenschaft und Gesellschaft auf nationaler sowie globaler Ebene. Während der Zusammenhang von Migration und Entwicklung seit den 1990ern ausführlich erforscht wurde, ist organisierte Gewalt in den letzten beiden Jahrzehnten zu einem weiteren, zentralen Faktor geworden, der forcierte Migration beeinflusst. Es wird davon ausgegangen, dass organisierte Gewalt einen beschleunigenden Faktor innerhalb von Mixed-Migration Prozessen darstellt (z.B. organisierte kriminelle Gewalt in Zentralamerika oder Bürgerkriege im Mittleren Osten), aber der aktuelle Forschungsstand zeigt einen Mangel an Daten, die diesen Zusammenhang betrachten. Dieses Forschungsprojekt will Formen forcierter Migration in ihrem Zusammenhang mit organisierter Gewalt vergleichen und kontrastieren durch die Analyse von Biographien und Migrationsverläufen. Dafür werden lokale, nationale und globale Dimensionen berücksichtigt sowie unterschiedliche Ebenen von Machtbeziehungen untersucht, die sowohl Grund als auch Konsequenz des migration-organized-violence-nexus sein können. Das Projekt verfolgt einen transnationalen Fokus und vergleicht die beiden Transitländer Türkei und Mexiko, um:

  • Erfahrungen und Wahrnehmungen forcierter Migration und organisierter Gewalt in ihrer Repräsentation und Rekonstruktion in Migrationsverläufen und Biographien von Akteuren zu analysieren.
  • Primärdaten über die Beziehung von organisierter Gewalt und forcierter Migration durch quantitative Umfragen, ethnographische Feldarbeit, narrative und semi-strukturierte Interviews sowie Dokumentenanalyse zu erheben.
  • Ein transnationales Forschungsnetzwerk angesehener akademischer Institutionen, die innerhalb des Themas arbeiten, in einer vergleichenden Perspektive durch eine Reihe internationaler Workshops zu etablieren und die wissenschaftlichen Ergebnisse zu dokumentieren und verbreiten.

Das Projekt wird Daten auf einer Mikro- (Individuen und Gruppen) und Meso- (Organisationen und lokale staatliche Akteure) Ebene erheben. Methodisch werden dazu standardisierte Längsschnittumfragen, ethnographische Besuche von Lagern für forcierte Migranten und entsprechenden NGO’s, narrative biographische Interviews mit Migranten selbst, semi-strukturierte Experteninterviews mit Repräsentanten von NGO’s und Politik sowie Dokumenten- und Governanceanalyse genutzt. Es werden zudem Kooperationen mit Partnerinstitutionen in Herkunfts-, Transit- und Ankunftsländern eingegangen.

 

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Ansprechpartner: Prof. Dr. Ludger Pries | Prof. Dr. Stephanie Schütze

Projekt-Homepage: Migration-Violence.org

Migrantenorganisationen und die Ko-Produktion sozialer Sicherung – Eine Mehr-Ebenen-Analyse migrantischer Praktiken in wohlfahrtsstaatlichen Arrangements

Laufzeit: Mai 2020 - Oktober 2022
Förderung: MERCUR Mercator Research Center Ruhr

Das MERCUR-Verbundprojekt erforscht, wie Migrant*innen und ihre Selbstorganisationen sozialen Risiken begegnen und soziale Sicherungsstrukturen schaffen. An den drei Universitätsstandorten Bochum, Dortmund und Duisburg soll die Einbettung von Migrantenorganisationen in die deutsche Wohlfahrtslandschaft untersucht werden, ausgehend von der Annahme, dass die Organisationen eine wichtige Rolle in der Vermittlung des Zugangs zu und der Erbringung von informellen (netzwerkbezogenen) und formalen (wohlfahrtsstaalichen) Sicherungsressourcen einnehmen. Dabei orientiert sich die Forschung an drei leitenden Fragen:

(1) Wie adressiert die politische Ebene soziale Risiken von migrierten Bevölkerungsgruppen?
(2) Wie wird auf Ebene von lokalen Migrantenorganisationen auf diese Herausforderung reagiert?
(3) Wie werden die formellen und informellen Sicherungsstrukturen von migrierten Personen tatsächlich für ihre Ziele genutzt?

An der RUB stehen Migrantenorganisationen und ihre Netzwerke im Vordergrund des Forschungsvorhabens. Hier werden die kooperativen Netzwerkstrukturen zwischen Migrantenorganisationen und anderen Wohlfahrtsträgern mittels leitfadengestützter Expert*inneninterviews mit Vertreter*innen der Organisationen erforscht. Die erhobenen Netzwerke werden schließlich analysiert und visuell aufbereitet.

Projektbeteiligte:
Ruhr-Universität Bochum: Prof. Dr. Ludger Pries, Prof. Dr. Sören Petermann, B.A. Eva Günzel
Universität Duisburg-Essen: Prof. Dr. Ute Klammer, Dr. Thorsten Schlee, Dipl. Soz.-Wiss. Ariana Kellmer
Technische Universität Dortmund: Prof. Dr. Karolina Barglowski, M.A. Daniel Huber

Förderung der Kooperationsstruktur für sozialwissenschaftliche Forschung innerhalb der Universitätsallianz-Ruhr

Innerhalb der Universitätsallianz Ruhr (UAR) bestehen bereits vielfältige Kooperationen in Forschung und Lehre, welche die Zusammenarbeit der Universität Duisburg-Essen, der Technischen Universität Dortmund und der Ruhr-Universität Bochum strukturell fördern und voranbringen. Auch die sozialwissenschaftlichen Institute und Fakultäten der drei Universitäten arbeiten in unterschiedlichen Bereichen bereits seit langem zusammen. Das Projekt soll diese Kooperationen weiter verstetigen und ausbauen. Das übergeordnete Ziel ist es, kooperative Forschungsinitiativen in der UAR auf der Fachebene anzustoßen. Im Rahmen eines Workshops für Forschende sollen gemeinsame, übergeordnete Forschungslinien herausgearbeitet werden.

Das Projekt wird gefördert vom Mercator Research Center Ruhr (MERCUR).

Antragssteller*innen:

Nicole Burzan (Dekanin der Fakultät für Sozialwissenschaft, TU Dortmund)

Katja Sabisch (Dekanin der Fakultät für Sozialwissenschaft, RUB)

Petra Stein (Dekanin der Fakultät für Gesellschaftswissenschaft, UDE)

Ludger Pries (Lehrstuhl Soziologie / Organisation, Migration, Mitbestimmung, RUB)

Ansprechpartner: Prof. Dr. Ludger Pries, Carla Scheytt

 

GO-NET | Emschergenossenschaft

Spätestens die jüngsten Diskussionen um Grenzwertüberschreitungen von Stickstoffoxiden auf deutschen Straßen und (potenzielle) Fahrverbote haben gezeigt, dass es längst an der Zeit ist, in Bezug auf räumliche Mobilität neue Wege zu gehen. Im größten Ballungsraum Deutschlands, dem Ruhrgebiet, fehlt es an ganzheitlichen Verkehrskonzepten, die alte und neue Möglichkeiten der Fortbewegung kombinieren. Inzwischen sind hier sehr viele erfolgversprechende Initiativen entstanden.

In diesem Zusammenhang kooperieren zwei Lehrstühle der Fakultät für Sozialwissenschaft und der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft in einem Pilotprojekt mit der Emschergenossenschaft, die das Projekt auch finanziell fördert. Das Projekt leistet einen konstruktiven und wissenschaftlich fundierten Beitrag zur Entwicklung neuer Verkehrskonzepte. Dabei werden bereits gemachte Erfahrungen, Nutzererwartungen und mögliche konkrete Lösungsansätze im Sinne einer nachhaltigen und gemeinwirtschaftlich oder genossenschaftlich organisierten integrierten Mobilität zusammengetragen. Drei Ziele stehen im Vordergrund:

  • durch die Befragung von Studierenden und Beschäftigten der Ruhr-Universität Bochum werden momentane Mobilitätsgewohnheiten und Mobilitätserwartungen für die nächsten Jahre erhoben, um so Anhaltspunkte für zukünftige Planungen, insbesondere im Hinblick auf die Mobilität zwischen dem Hauptcampus und dem neuen Standort Mark 51/7 zu erhalten,
  • in enger Kooperation mit der Emschergenossenschaft werden Lösungsmöglichkeiten für deren innerbetrieblichen Verkehr und seine möglichen technischen und organisatorischen Weiterentwicklungen in Bezug auf die Mobilität der Mitarbeitenden im privat-beruflichen Raum sowie in Bezug auf den Fuhrpark der Emschergenossenschaft eruiert,
  • durch systematische Recherchen und die Aufarbeitung von nationalen und internationalen Erfahrungen in der Entwicklung integrierter Verkehrssysteme unter besonderer Berücksichtigung genossenschaftlicher Beteiligungsmodelle bei Verkehrsnutzung und Datenverwendung werden Anregungen für das Ruhrgebiet gewonnen.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Ludger Pries | Prof Dr. Michael Roos

Projektkontakt: umfrage-mobilitaet[at]sowi.rub.de

Migrationsforschung und Transnationalisierung von Vergesellschaftungsprozessen

Im Themenfeld "Migrationsforschung und Transnationalisierung von Vergesellschaftungsprozessen" werden kontinuierlich theoretisch konzeptionelle Arbeiten, sekundäranalytische Auswertungen vorhandener Studien und empirische Eigenerhebung in begrenztem Umfang aus Eigenmitteln durchgeführt. Ziel ist hierbei, zu einem besseren Verständnis gegenwärtiger gesellschaftlicher Internationalisierungsprozesse sowie der Inkorporationsdynamik unterschiedlicher sozialer Gruppen in vielfältigen sozialräumlichen Bewegungen beizutragen.

Teilbereiche dieser Forschung sind:

  • Transnationalismus und transnationale Migrantenorganisationen

  • Staatsbürgerschaft und die Integration von Migranten in Deutschland

  • Erinnerungen an Migration in Europa sowie europäische Arbeitsmigrationspolitik

Ansprechpartner: Prof. Dr. Ludger Pries