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Referat

In einigen Veranstaltungen können bzw. müssen Sie ein Referat halten; bitte fertigen Sie auch ein Thesenpapier an, das Sie mir vorab elektronisch zukommen lassen.

Das Referat soll ein Thema erschließen und dies den Kommilitonen vermitteln. Referate basieren zumeist auf der Erarbeitung von mehreren Texten. Im Seminarplan werden diese Texte ausgewiesen. Während die übrigen Teilnehmer lediglich gesondert aufgeführte Literaturstellen vorbereiten sollen, muss der Referent seine Präsentation auf allen Texten aufbauen, falls "Zusätzliche Literatur für Referate" genannt wird.

Wenn Sie ein Referat halten, dann ist der Besuch der Sprechstunde spätestens in der Woche vor dem Referat obligatorisch. Kommen Sie vorbereitet – was bedeutet, dass Sie die Texte nicht nur gelesen, sondern sie sich erarbeitet haben. Um einen Text gelesen zu haben, überfliegt man ihn nicht nur einmal und legt ihn dann beiseite, wenn man etwas nicht verstanden hat. Sondern man liest ihn, zwei, drei oder vier Mal.

Ein Referat soll, sofern nicht anders vereinbart, 20 Minuten dauern. Halten Sie den vereinbarten Zeitrahmen bitte ein. Das ist nicht einfach. Üben Sie den Vortrag - man kann oft sehr schwer einschätzen, wie lange man benötigt. Wenn man sich den Vortrag zuhause laut vorspricht, fallen einem diejenigen Stellen eher auf, an denen es ‘hakt’ und die vielleicht unklar formuliert oder gar überflüssig sind. Denken Sie immer daran: Niemand möchte sich langweilen bei Ihrem Referat - Sie selbst finden es ja auch grausig, wenn ein/e KommilitonIn Sie zu Tode langweilt. Sie können sich überlegen, mit welchen Mitteln Sie das Referat präsentieren (z.B. mit einem Kurzfilm, einer Overheadfolie, einer Power Point Präsentation, einer Karte, einem einleitenden Beispiel aus der Tagespresse etc.). Kümmern Sie sich ggf. darum, etwa für einen Projektor zu sorgen.

Bitte nicht schwafeln, und nicht jeden Bocksprung, den die Autoren vollziehen, nacherzählen. Stattdessen: lehnen Sie sich nach der ersten Lektüre zurück und schauen Sie die Texte mit Distanz an. Fragen Sie sich, was das Wichtigste am jeweiligen Text ist (und was eher unwichtig oder auch ausschmückend). Erzählen Sie uns nicht jedes Beispiel, das der Autor bemüht, sondern greifen Sie eines (oder zwei) heraus, an dem man zeigen kann, welche Frage der Autor beantworten möchte; um was es ihm geht; was er zu beweisen versucht. Denken Sie daran, dass das Thema im Vordergrund steht und die Texte das Thema erschließen sollen.

Stellen Sie sich beim Einüben des Referates vor, sie müßten einem Freund, der den Text nicht kennt, knapp das Wichtigste darüber erzählen. Denken Sie also daran, daß auch jene Dinge explizit erwähnt werden müssen, von denen ein Außenstehender keine Ahnung hat, die man aber als Insider leicht für selbstverständlich erachtet; so sollten Sie Titel, Autor, Erscheinungsjahr, Aufbau und Form des Textes benennen.

Beim Halten des Referates kann es sinnvoll sein, einen Mittelweg zwischen dem puren Ablesen und dem absoluten Frei-Sprechen zu wählen. Sprechen Sie nicht zu schnell. Machen Sie Pausen. Zu Beginn des Referates erläutern Sie bitte die Gliederung, nach der Sie vorgehen werden (also etwa: "Mein Vortrag besteht aus X-Teilen. Im ersten Teil werde ich... Der zweite Teil beschäftigt sich mit... Drittens... Schließlich..."). Beziehen Sie sich während des Referates auf Ihre Gliederung und machen Sie die Zuhörer aufmerksam darauf, zu welchem Punkt Sie nun kommen werden (z.B. erwähnen Sie, daß Sie nun "zum Punkt X kommen, nämlich...").

Stellen Sie ab und an einen Augenkontakt mit den Zuhörern her.

Nur wenige Referate beziehen sich lediglich auf einen Text; meistens sollen Sie einen (i.d.R. empirischen) Text mit einem anderen (i.d.R. allgemeineren) Text in Verbindung setzen. In diesem letzteren Fall arbeiten Sie bitte heraus, in welcher inhaltlichen, kontextuellen, theoriegeschichtlichen, argumentativen etc. Beziehung beide Texte stehen (also etwa: Kommen im empirischen Text Aspekte zum Tragen, die im allgemeineren Text nicht vorkommen? Bestätigt/widerspricht der eine Text den anderen? Kann man mit dem Beispiel tatsächlich die theoretische Fragestellung beantworten? usw.).

Für den Fall, dass Sie ein Referat zu zweit halten, gibt es ein absolutes Tabu: Nämlich, dass ein Referent Text A referiert und der andere Referent Text B. Denn es stehen ja nicht die einzelnen Texte im Vordergrund, sondern das Thema, das über die Texte erschlossen wird.

Schließlich: es soll sich um keine Nacherzählung handeln, sondern um die Referierung des kontextuellen, textstrukturellen und inhaltlichen Gehaltes des Textes, sowie einer eigenen Beurteilung. Dazu sind folgende Hinweise zu beachten:

1. Kontext

Nennen Sie explizit:

  • Titel des Textes
  • Erscheiungsjahr und -ort
  • AutorIn; Was können Sie über ihn/sie in Erfahrung bringen (z.B. Alter, Nationalität, Ausbildung, Wirkungsort, Disziplin, sonstige Publikationen, Karriere)?

Benutzen Sie dazu auch Lexika, Wörterbücher, Bibliothekskataloge, Internet etc. als Hilfsmittel.

2. Textstruktur

  • Um was für eine Textform handelt es sich (z.B. Beitrag zu einem Sammelband? Zeitschriftenartikel? Teil einer Monographie?)
  • Wie ist der Text aufgebaut und gegliedert (Kapitel, Unterkapitel)?
  • Wie ist die Textlogik? Wie argumentiert der Autor? Wird eine Hypothese aufgestellt? Welche? Wie/wo/wann wird sie beantwortet (z.B. im Text selbst oder nur in der Zusammenfassung)? Explizit oder implizit?
  • Handelt es sich eher um einen empirischen Text? Oder um einen eher Theorietext?

3. Inhalt

  • Was ist der Gegenstand des Textes?
  • Mit welcher Kultur/Ethnie/Gruppe/Gesellschaft/Region beschäftigt sich der Text?
  • Was erfahren wir darüber?
  • Welche empirischen Beispiele werden angeführt? Sind die Beispiele schlüssig?
  • Mit welcher Fragestellung beschäftigt sich der Autor/die Autorin, oder: Was ist die Hauptfragestellung des Textes? Diese finden Sie manchmal explizit formuliert, manchmal implizit; oftmals in der Einleitung oder dem einleitenden Abstract.
  • Was ist die Hauptaussage des Textes?
  • Welche zunächst unbewiesenen Annahmen von Gesetzlichkeiten oder Tatsachen (Hypothesen) werden aufgestellt?
  • Wie/Mit welchen Argumenten versucht der/die AutorIn, diese Hypothesen zu beweisen/widerlegen (also etwa mit Beispielen, mit Zitaten von Kollegen oder von Informanten etc.)?
  • Sind Hauptaussage und Hypothesen eindeutig/explizit oder eher verborgen/implizit formuliert? Werden Hypothesen und Fragen beantwortet?
  • Mit welchen Autoren setzt sich der/die AutorIn auseinander? Von wem setzt er/sie sich ab?
  • Für/Gegen welche Theorien spricht sich der/die AutorIn aus?
  • In welche Theorietradition läßt sich der/die AutorIn einordnen?

Benutzen Sie auch hierfür ggf. Lexika, Wörterbücher, Bibliothekskataloge, Internet etc. als Hilfsmittel.

4. Eigene Bewertung

ganz allgemein:

  • Spricht sie der Text an?
  • Was darin spricht sie an, was stößt sie ab?
  • Erscheint ihnen die Argumentation stringend, logisch und einleuchtend oder eher wirr? Begründen Sie dies.
  • Finden sie den Stil des Schreibers angenehm oder eher abstoßend?
  • Passt der Stil zum Inhalt?
  • Haben Sie durch den Text etwas Neues erfahren, oder handelt es sich um "olle Kammellen"?

Überlegen Sie sich, was der Text mit "unserem Leben" zu tun hat, also etwa, ob er Ihnen einen Aspekt aus ihrem Alltag (oder aus der aktuellen Politik, aus den Medien etc.) neu/sinnvoll etc. erklärt oder/und beleuchtet.
Sagt der Text nur etwas über den Gegenstand aus oder ist er auch darüber hinaus relevant (Ein Beispiel: Sagt ein Text über die Rolle der Frauen in Ägypten auch etwas über die Rolle der Frauen in anderen Ländern aus? Oder über die Rolle der Männer in Ägypten? Oder sagt er etwas Allgemeines über Geschlechterverhältnisse im Zeitalter der Fundamentalisierung aus? Oder über Ägypten? Wie weit kann man die Befunde des Textes verallgemeinern - und auf welchen Ebenen?)
Überlegen Sie sich, für welche anderen Themen der Text bedeutsam ist. Sie müssen natürlich nicht alle möglichen Bezüge herstellen; es ist schon sehr viel gewonnen, wenn Sie einen der möglichen Bezüge herstellen.

Ohne eine solche Vorbereitung macht es gar keinen Sinn, die Sprechstunde zu besuchen.

Fragen Sie sich vielleicht auch was das spezifisch Ethnologische an diesem Text ist; könnte auch ein/e AutorIn aus einem anderen Fachgebiet, bspw. aus der Soziologie oder der Literaturwissenschaft, diesen Text geschrieben haben? Begründen Sie auch dies.
Überlegen Sie sich dazu, wodurch sich die Ethnologie von ihren Nachbarwissenschaften unterscheidet - insbesondere von der Volkskunde und ihren Nachfolgewissenschaften, von den Cultural Studies und von der Soziologie - und was ihnen gemeinsam ist.

Formulieren Sie zum Abschluß des Referates 3-4 Fragen, die Ihnen bedeutsam erscheinen und über die Sie gerne diskutieren möchten.