Sie befinden sich hier: Fakultät » Startseite des Lehrstuhls » Hausarbeit und Benotung

Hausarbeiten, BA- und MA.Arbeiten, Magisterarbeiten

Hier finden Sie sowohl Anmerkungen, die nur für Hausarbeiten, BA- oder MA-Arbeiten gelten, als auch Anmerkungen, die jede Art der schriftlichen Arbeit betreffen (bitte konsultieren Sie auch die Informationsmaterialien des Tutorienprogramms).

Hausarbeiten

Thema der Hausarbeit (15 Seiten plus Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Bibliographie) kann die vertiefende oder erweiternde Ausführung des Referatsthemas sein. Vertiefend bedeutet, dass Sie sich einen Aspekt des Referatsthemas herauspicken und diesen intensiv bearbeiten; erweiternd bedeutet, dass Sie das Referatsthema mit einem anderen Arbeitsfeld/einer anderen Thematik in Verbindung setzen. Wenn Sie mit Ihrem Referatsthema im Nachhinein unglücklich sind, können Sie in der Hausarbeit auch eine ganz andere Thematik bearbeiten. In jedem Fall aber muss es sich um eine ethnologisch/sozialanthropologisch orientierte Hausarbeit handeln, d.h. im Zentrum der Arbeit muss die Auseinandersetzung mit ethnologischen Fallstudien und Texten stehen.

Schriftliche Ausarbeitung bedeutet also nicht, genau das nochmals zu verschriftlichen, was Sie im Referat präsentiert haben; Sie müssen dazu zusätzliche wissenschaftliche Literatur recherchieren und auch einbeziehen. Auf jeden Fall muss das Referatsthema während einer der Sprechstunden mit dem Seminarleiter/der Seminarleiterin besprochen werden.

Sollten Sie Ihr Referat zusammen mit Kommilitonen gehalten haben, dann dürfen die Hausarbeiten der Referenten natürlich dieselbe Thematik (nämlich die des Referatsthemas) behandeln; Sie müssen sich aber untereinander darüber absprechen, wer in der Hausarbeit welche Fragestellung bearbeitet – denn die Fragestellungen müssen sich grundlegend voneinander unterscheiden. Wenn Sie sich unsicher darüber sind, ob sich die Fragestellungen genügend voneinander unterscheiden, dann fragen Sie lieber noch einmal nach.

Sie müssen die Hausarbeit vorab in der Sprechstunde (oder n.V.) besprechen. Dazu und zur Vorbereitung (z.B. Recherchen) schauen Sie bitte auch unter "Anmerkungen für alle Arten der schriftlichen Arbeit" nach.

Denken Sie daran, dass eine Hausarbeit Bestandteil des Seminars ist und also auch - wo angebracht - die referierten Texte, insbesondere die einleitenden Texte, in die Hausarbeit einfließen sollten.

Abgabetermin für Hausarbeiten ist:

* im Sommersemester: Der darauf folgende 15.09.
* im Wintersemester: Der darauf folgende 15.03.

Bis zu diesen Deadlines müssen den Veranstaltungsleitern die Texte in elektronischer Version als ungeschützte *.doc Dokumente (per E-mail) vorliegen. Danach werden keine Hausarbeiten mehr angenommen.

Natürlich kann von Studenten im MA-Studium bei Hausarbeiten qualitativ etwas mehr erwartet werden als von Studenten im BA-Studium; natürlich gibt es auch Anfängerstudenten, die die Anforderungen an eine MA-Hausarbeit zu erfüllen vermögen - wenn dem so ist: Nur zu! Aber grundsätzlich gilt, dass im BA-Studium erst einmal gelernt werden soll, dass Handwerkszeug für das Erfassen eines wissenschaftlichen Textes zu erlernen und eine eigene Frage an den Gegenstand zu entwickeln.

BA Arbeiten

Die BA-Arbeit ist eine wissenschaftliche Qualifikationsarbeit, bei der Sie die im Studium erworbene Qualifikation zur Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Fragestellungen beweisen müssen. Bitte beherzigen Sie auch die „Anmerkungen für alle Arten der schriftlichen Arbeit“ auf dieser Webseite.

Dieser Typus der schriftlichen BA-Arbeit muss eine von Ihnen gewählte Fragestellung vollumfänglich bearbeiten. Das heißt in erster Linie, dass sie auf dem neuesten Stand der ethnologischen Forschung sind und auch die wichtigsten Ansätze aus anderen Disziplinen kennen.

Hier gilt es, eher die deduktive Methode zu wählen: Auf Grundlage des neuesten Forschungsstandes entwickeln Sie eine eigene Position zu Ihrer Fragestellung; diese Position legen Sie an einem (in Ausnahmefällen auch mehreren) Fallbeispiel(en) dar - oder anders gesagt: Das Fallbeispiel soll eine theoretische Position untermauern / illustrieren / hinterfragen / modifizieren. Aber es steht NICHT im Zentrum der Arbeit.
Was ist ein Fallbeispiel? Fallbeispiele sind empirische Beispiele, die in erster Linie aus der ethnologischen Literatur (und darüber hinaus auch ggf. aus anderen Disziplinen) stammen müssen. Beispiel: Wenn sich Ihre Arbeit etwa mit den Transformationen mediterraner Hafenstädte in einem bestimmten Zeitraum beschäftigt und sie finden etwa in einer Monographie das treffende Beispiel einer bestimmten Stadt, dann wäre dieses ihr Fallbeispiel.

Achtung: Es handelt sich bei Fallbeispielen nicht um selbst durchgeführte Fallstudien.

Was ist eine Fallstudie? Fallstudien sind eine umfängliche Sichtung, ggf. eigene Erhebung und Auswertung/Analyse eines empirischen Falles. „Eigene Erhebung“ bedeutet nicht in jedem Falle die Durchführung einer eigenen kleinen Feldforschung oder von Interviews, sondern kann sich durchaus auf die Sichtung und Auswertung von Material, das Andere erhoben haben, beschränken!
Hierzu ein deutliches Wort, das Sie bitte beherzigen: Viele Studierende wollen in der BA-Arbeit eine eigene Erhebung, eine eigene Fallstudie durchführen. Ganz häufig ist es so, dass Studierende etwa Interviews zu einem Thema durchführen möchten, und diese Interviews dann vor dem Hintergrund einer Fragestellung bearbeiten möchten. Derlei Arbeiten sind an meinem Lehrstuhl nicht möglich, denn bei der BA-Arbeit handelt es sich um eine wissenschaftliche Qualifikationsarbeit. Zumeist aber beherrschen die BA-Studierenden nicht die Erhebungsmethoden (diese sollen sie nicht zum ersten Mal in der BA-Arbeit erproben, sondern bereist qualifiziert beherrschen). Vielfach kommen Studierende darüber hinaus mit der Vorstellung, 2, 3 Erhebungen (z.B. Interviews, Beobachtungen) wären ausreichend für eine Qualifikationsarbeit – was einer völlig falschen Vorstellung entspricht. Insofern dürfen Sie eigene Fallstudien allenfalls dann durchführen, wenn Sie a) eine allgemeine Fragestellung aus dem Stand der Forschung erarbeitet haben, b) die Erhebungsmethoden bereits beherrschen und dies auch nachweisen können, und c) eine ausreichende Zahl an Erhebungen durchführen. Auch in diesem Falle aber gibt: Die Auseinandersetzung mit dem Stand der Forschung zu einer Forschungsfrage steht ganz klar im Vordergrund der BA-Arbeit.

MA Arbeiten und Magisterarbeiten

Die MA-Arbeit ist eine wissenschaftliche Qualifikationsarbeit, bei der Sie die im Studium erworbene Qualifikation zur Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Fragestellungen beweisen müssen. Bitte beherzigen Sie auch die „Anmerkungen für alle Arten der schriftlichen Arbeit“ auf dieser Webseite.

Auch dieser Typus der schriftlichen Arbeit muss eine von Ihnen gewählte Fragestellung vollumfänglich bearbeiten. Auch hier müssen sie sich auf dem neuesten Stand der ethnologischen Forschung befinden und auch die wichtigsten Ansätze aus anderen Disziplinen kennen.

Im Gegensatz zur BA-Arbeit steht hier aber eher die induktive Methode im Mittelpunkt. Sie beschäftigen sich mit einem konkreten Fall und fertigen dazu eine eigene Studie an. Aus diesem Fall heraus entwickeln Sie Hypothesen und theoretische Schlüsse - und gleichen diese mit dem Stand der Forschung ab. D.h., sie entwickeln eine eigene Position zu den Theorien auf Grundlage einer eigenen Fallstudie. Diese Fallstudie muss nicht unbedingt auf einer eigenen kleinen Feldforschung oder auf selbst durchgeführten Interviews und Beobachtungen basieren, sondern kann sich durchaus auf die Sichtung und Auswertung von Material, das Andere erhoben haben, beschränken!

Beispiel: Ihre Arbeit beschäftigt sich mit den Transformationen mediterraner Hafenstädte in einem bestimmten Zeitraum. Sie haben sich bereits mit einer ganz bestimmten Hafenstadt beschäftigt, etwa mit Marseille. Sie beschaffen sich jede Literatur, die sich mit dem Hafen von Marseille beschäftigt (in erster Linie ethnologische, in zweiter andere wissenschaftliche, in dritter auch „graue“ Literatur oder Belletristik) und werden zu einem Experten/einer Expertin für den Hafen von Marseille. Aus dieser Expertise entwickeln Sie eine Schärfung der allgemeinen Thematik „Transformationen mediterraner Hafenstädte“ und Hypothesen, denen man wissenschaftlich ggf. auch in anderen Städten nachgehen kann.
Parallell zur Auseinandersetzung mit Marseille müssen Sie sich also auch den Forschungsstand zur Thematik „Transformationen mediterraner Hafenstädte“ erarbeiten.

Um noch einmal den Unterschied zwischen BA und MA-Arbeit zu erläutern:

In der BA-Arbeit gehen sie deduktiv vor: es geht es um die Auseinandersetzung mit dem Stand der Forschung zu einer Forschungsfrage, um die Entdeckung von Lücken und zur Entwicklung eigener Hypothesen und Gedanken. Ein (oder ggf. mehrere) Fallbeispiele sollen diese Schlüsse illustrieren. Die Durchführung eigener Erhebungen (Fallstudien) ist i.d.R. nicht vorgesehen.

In der MA-Arbeit gehen sie induktiv vor: Sie werde zum Experten/zur Expertin für einen Forschungsgegenstand und entwickeln aus dieser Expertise Hypothesen, denen Sie im Abgleich mit der bestehenden Forschungsliteratur (Stand der Forschung!) nachgehen.

Anmerkungen für alle Arten der schriftlichen Arbeit

Bitte kommen sie vorbereitet in die Sprechstunde, d.h. zumindest mit der vagen Vorstellung von einem Thema, einer Leitfrage und Ideen darüber, wie sie die Leitfrage beantworten wollen.

Dazu bietet es sich an, eine Kurzzusammenfassung (Abstract) anzufertigen. Aus dem Abstract (Fliesstext - keine Stichworte) soll hervorgehen, was ihr Gegenstand/Thema ist, welche Leitfrage sie an den Gegenstand/das Thema stellen wollen, und auf welche Weise/in welchen Schritten sie die Leitfrage (auf Grundlage welcher Literatur) beantworten möchten.

Zur Vorbereitung auf die Sprechstunde kann das Abstract durchaus lückenhaft sein - aber sie müssen sich schon eine grobe Vorstellung von Ihrem Vorhaben gemacht haben.

Begreifen sie das Abstract nicht als Zwangsjacke, sondern als Sicherheitsnetz; denn das Abstract soll Ihnen im Verlauf des Schreibens als Leitlinie dienen, an der sie sich entlang arbeiten; das bedeutet, dass das Abstract vermutlich immer wieder überarbeitet werden wird. Aber keine Panik! Das ist kein Problem, sondern ganz normal im wissenschaftlichen Arbeiten. Sie müssen sich nur bei jeder Abweichung von der roten Linie fragen, inwieweit sich dadurch das Ganze verändert - um dann das Abstract unter Einbeziehung der Abweichungen eben neu und mitunter anders zu formulieren.

Zusätzlich zum Abstract bietet es sich bereits für die Sprechstunde an, eine Gliederung vorzulegen.

Sie sollten bereits wissenschaftliche Literatur von SozialanthropologInnen oder EthnologInnen (aber bitte keine Zeitungsartikel oder Wikipedia) zu ihrem Thema eigenständig recherchiert haben und eine Literaturliste (bei Hausarbeiten mindestens 6 über die Seminarliteratur hinausgehende wissenschaftliche Artikel/Bücher; bei BA- und MA-Arbeiten müssen sie das gewählte Thema dagegen viel umfassender und zur Gänze beherrschen und dazu v.a. auf dem neuesten Stand der Forschung sein; mit ein paar Artikeln und Büchern ist das nicht getan) vorlegen; bei schriftlichen Arbeiten müssen mindestens 70 % der Literatur von SozialanthropologInnen/EthnologInnen geschrieben sein. In diesen Modulen gibt es pauschal eine Note Abzug, sofern dem nicht der Fall ist.

"Recherchiert" bedeutet im Übrigen nicht nur die Bibliographieliste zu erstellen, sondern im Idealfall schon einen Blick in die Texte geworfen zu haben um sicherzugehen, dass Sie etwas mit den Texten anfangen können.

Zur Recherche bietet es sich an, auch die Onlinedatenbank JSTOR (die an der RUB verfügbar ist) zu benutzen (informieren Sie sich darüber in den Bibliotheken). (Siehe auch http://www.sowi.ruhr-uni-bochum.de/sozanth/lirecherche.html).

Häufig ist es so, dass StudentInnen mit einer ganz spezifischen politischen, persönlichen und emotionalen Einstellung an einen Text herangehen und ihn aus dieser Einstellung heraus auch beurteilen. Das Problem dabei ist nicht, dass der Text mit einer persönlichen Färbung betrachtet wird, sondern dass diese Färbung häufig eine distanzierte Würdigung überhaupt nicht erlaubt, insbesondere auch nicht, den Text in all seinen Facetten richtig zu erfassen. Wir bewerten den Text dann "eindimensional" und "aus dem Bauch heraus". Natürlich können wir uns einer Thematik auch emotional nähern. Bei wissenschaftlichem Arbeiten geht es aber darum, dass wir uns in die Lage versetzen müssen, uns vor allem auch distanziert damit zu beschäftigen, mit kühlem analytischem Auge - und das bedeutet, dass wir reflexiv sind, also uns gewahr werden über die Färbung, mit der wir an den Text herangehen; dass wir lernen, uns über unsere eigenen Vorprägungen klar zu werden, mit denen wir an eine Thematik herangehen.

Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet bspw., die Fähigkeit zu entwickeln, Struktur und Logik eines Textes über die Korruptionsaffäre einer Partei (der wir ablehnend gegenüberstehen) zu erfassen, ohne dass uns die Abneigung gegen diese Partei blind gegenüber dem Text und seiner Struktur macht; dasselbe gilt natürlich auch, wenn wir der Partei besonders zugeneigt sind.

Also kurz: Auch wenn wir uns mit dem thematischen Gegenstand eines Textes besonders identifizieren oder ihn von Herzen widerwärtig finden, so sollten wir uns dennoch darum bemühen, die innere Logik und die Struktur freizulegen, zu verstehen und zu analysieren.

Und noch ein wichtiger Hinweis: Auch wenn sie die Argumentation eines Autors auf den ersten Blick ablehnen - verdammen sie ihn nicht von vorneherein in Bausch und Bogen und suchen sie nicht nur nach den Kritikpunkten, sondern versuchen sie auch, die positiven und sinnvollen Aspekte des Textes zu würdigen (das Gegenteil gilt natürlich im umgekehrten Falle, d.h. wenn Sie einen Autor schon von vorneherein besonders verehren). Dies gilt gerade auch dann, wenn etwas unzeitgemäße Texte bearbeitet werden sollen. Lassen Sie den "Vorvätern/-müttern" und Autoren genauso viel Respekt angedeihen wie den Informanten, denen Sie im Feld begegnen (werden), oder wie Sie selbst hoffen, einmal von den nachfolgenden Generationen behandelt zu werden. Vorhergegangene Epochen und ihre Ansätze werden i.d.R. ja zumeist nicht deswegen verworfen, weil sie Unsinn produziert hätten, sondern weil sie aus der Perspektive der Nachfolger unzeitgemäße Blicke auf die Gegenstände gerichtet und irrelevante Fragen gestellt hatten. Der zeitgenössische Kontext der Texte ist also immer, zumindest implizit, mitzuwürdigen.

Das Einzige, was Ethnologen (und die meisten anderen Wissenschaftler) nach außen hin produzieren, sind i.d.R. Texte (gut, es gibt Kollegen, die in Museen und mit visuellen Medien arbeiten...). Schreiben lernen ist daher besonders wichtig.

Ganz wichtig ist die Einleitung, aus der ersichtlich werden soll, womit Sie sich in dem Text beschäftigen werden. Das Geheimnis der Einleitung ist übrigens genau dies: Nehmen Sie den Leser an die Hand, indem Sie die Argumentationslinien (die für Sie selbst vielleicht logisch erscheinen) des Textes offenlegen und klar benennen (damit auch der Leser Ihre Logik erkennt). Eine Einleitung muss einen Überblick über Gegenstand, Frage an den Gegenstand, Hypothese, Arbeitsschritte zur Beantwortung der Frage und Zusammenfassung bieten und Folgendes leisten:

1. Vorstellung des Gegenstandes;
2. Darstellung der Leitfrage, die Sie an den Gegenstand haben (und Aufstellung einer Hypothese darüber, wie wohl die Beantwortung der Frage ausfallen könnte); Das ist erfahrungsgemäß der schwierigste Punkt für Studierende. Aus diesem Grund finden Sie in der linken Spalte auch unter dem Punkt "Fragestellungen" weitere hilfreiche Hinweise!!!!
3. Darstellung der Schritte und Argumente, mit denen Sie die Beantwortung der Frage durchführen werden. Erstens, Zweitens, Drittens... Diese Schritte/Argumente müssen logisch aufeinander bezogen sein und sie müssen explizit gemacht werden. Bei "Erstens" gehen Sie i.d.R. auf die Ansätze ein, die andere Wissenschaftler zur Beantwortung der Frage entwickelt haben - das sollte auf dem neuesten Stand der Arbeiten geschehen und heißt i.d.R. darum auch oft "Stand der Forschung"; denn Sie sind nicht die/der Einzige, der sich mit der von Ihnen gewählten Frage beschäftigt. Andere vor Ihnen haben sich damit auseinandergesetzt. Sie können sich einem dieser Ansätze anschließen (und müssten das dann in der Folge mit neuen Argumenten/neuem Material belegen), oder Sie finden eine Schwachstelle in den bestehenden Ansätzen und zeigen mit Ihrer Arbeit, dass man die bestehenden Ansätze widerlegen/ergänzen/anreichern/abändern etc. kann.
4. Kurze Vorstellung des Materials, mit dem sie arbeiten werden;
5. Kurze Formulierung einer Zusammenfassung: Welche (vielleicht auch nur vorläufige) Antwort/Vermutung zur Beantwortung der Frage haben sie entwickelt.


Wie gesagt: Erfahrungsgemäß haben die meisten Studierenden Schwierigkeiten, eine Frage an den Gegenstand zu entwickeln. Ganz wichtig ist es deshalb darauf hinzuweisen, dass der Gegenstand der Arbeit nicht schon die Frage an den Gegenstand ist. Das hört sich wie eine Binsenweisheit an, aber dieser Fehler wird immer wieder gemacht. Der Begriff der Frage ist ganz wörtlich gemeint und wir möchten Ihnen als Tipp empfehlen, diese auch tatsächlich in Form einer Frage (mit Fragezeichen) zu formulieren. Wenn sie keine Frage an den Gegenstand entwickeln, geraten sie schnell in die Verlegenheit, ALLES, was sie zum Gegenstand wissen, zu sammeln und wiederzugeben. Das sollte jedoch tunlichst vermieden werden. Als Faustregel gilt hier:

"Nicht alles, was sinnvoll ist, sondern nur das, was zur Beantwortung der Frage auch notwendig ist, darf in den Text hinein."

Fragen sie sich daher beim Schreiben lieber zweimal, ob etwa ein gewähltes Beispiel nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig ist. Wenn nicht, dann lassen sie es lieber weg.

Manche Studenten haben aber eher zu viele Fragen an den Gegenstand. Versuchen Sie, diese vielen Fragen nicht additiv aneinander zu reihen, sondern Prioritäten zu setzen: In welchem Zusammenhang stehen die Fragen zueinander? Welche Frage ist die Leitfrage? Lassen sich die anderen Fragen von dieser Hauptfrage ableiten.

Ethnologie bedeutet, das Kleine und das Grosse, also konkrete empirische Befunde und Abstraktionen/Theorien, miteinander zu verbinden. Daher sollten sie bei der Verschriftlichung Folgendes beherzigen:

Wenn sie sich mit einer großen theoretischen Frage beschäftigen, dann müssen Sie diese mit einem ganz konkreten ethnographischen Fall verbinden. Viele Studenten neigen - insbesondere bei Studienbeginn - dazu, sich Fragen herauszusuchen, die ganz groß und abstrakt sind und mit denen sie "die Welt" zu erklären versuchen. Das kann in der Ethnologie/Sozialanthropologie aber nur gelingen, wenn man sich einem ganz konkreten Fall zuwendet - nur dann gerät man nicht ins abstrakte Schwafeln.

Wenn Sie sich mit einer ganz konkreten Frage beschäftigen (also etwa "Warum konnte sich bei der Gruppe XYZ das Merkmal ABC entwickeln?", "Wieso glauben die XYZ etwas ganz bestimmtes, nämlich ABC...", "Wer sorgt bei XYZ dafür, dass ABC..."), dann müssen sie diese konkrete Frage in einem größeren (man kann auch sagen: theoretischen) Zusammenhang stellen. Dies bedeutet, vom Konkreten zu abstrahieren und Verallgemeinerungen aufzustellen (etwa durch den Vergleich mit ähnlichen Fragestellungen; anderen Gruppen; ähnlichen Phänomenen; die Anbindung an bestehende Theorien etc.).
Als Faustregel können Sie sich merken:

Ein guter Text ist wie eine gute Suppe: schmackhaft wird sie nur, wenn Fleisch (konkrete Fälle) und Knochen (Abstraktion/Theorie) zusammen gekocht werden.

Im Fazit oder Resümee sollen die Ergebnisse der Arbeit hinsichtlich der Frage und der Hypothese zusammengefasst werden. Das Fazit ist also nicht der Platz, um neue Informationen zu liefern.