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Zielsetzungen der Lehre im Master of Education Sozialwissenschaften


Das Lehramtsstudium ist die erste Phase der beruflichen Sozialisation in den Lehrerberuf, in der eine professionsspezifische Grundhaltung und Kompetenzen angebahnt werden müssen. In der ersten Phase der Lehrerausbildung zielt meine Lehre darauf ab, den Studierenden folgende Kompetenzen zu vermitteln:

  • die Thematisierung und Reflexion der „subjektiven Theorien“ zum sozialwissenschaftlichen Unterricht sowie die Auseinandersetzung mit der Geschichte, Intention und Zielen des Studienfaches, die zur Reflexion ihrer eigenen (zukünftigen) sozialen Rolle als Lehrerin bzw. Lehrer befähigen soll.
  • die kriteriengeleitete Beobachtung und methodische Auswertung von Unterricht anhand von (videografierten) Fallsituationen oder Simulationen.
  • Analyse und Vergleich der unterschiedlichen fachdidaktischen Ansätze, bezogen auf Planung, Durchführung und Ergebnisse des fachunterrichtlichen Lehrens und Lernens.
  • die fachwissenschaftlich und fachdidaktisch-theoretisch fundierte Planung und Erprobung von Unterricht (»situiertes Lernen«) unter Berücksichtigung von lern-, kognitions- und entwicklungspsychologischen Theorien und empirischer Erkenntnisse.
  • die Kenntnis und Beherrschung methodischer Verfahren zur Erhebung von politischen Einstellungs- und Deutungsmustern von Schülerinnen und Schülern (Qualitative Methoden, fachdidaktische Rekonstruktion von Lernervorstellungen).
  • die Beherrschung und reflektierte Anwendung diagnostischer Verfahren.
  • die Fähigkeiten zur systematischen Erforschung (im Sinne des »forschenden Lehrers/Lehrerin«), Evaluation und Reflexion von fachunterrichtlichen Lehr- und Lernprozessen.



Ausgehend von den oben definierten Zielsetzungen der fachdidaktischen Lehre, müssen in den Seminarveranstaltungen entsprechende Lernarrangements etabliert werden. Passiv-rezeptive Lernarrangements werden dieser Zielsetzung nicht gerecht.


Forschendes Lernen

Der Wissenschaftsrat fordert in der universitären Lehre verstärkt Lehr-Lern-Forschungsprojekte (Wissenschaftsrat 2008, S. 8). Das didaktisch-methodische Prinzip der „forschenden Lehre“ wird auch von der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum vertreten. Im Rahmen der fachdidaktischen Aufbauseminare, insbesondere in meinen Seminaren zur Diagnostik und Evaluation im sozialwissenschaftlichen Unterricht, werden die Studierenden in das didaktische Konzept des „forschenden Lernens“ in den sozialwissenschaftlichen Fachdidaktiken eingeführt. Die „forschende Lehre“ wird im Kontext des Praxissemesters weiter ausgebaut werden müssen, da die Studierenden kleinere Lehr-Forschungsprojekte durchführen sollen. Forschendes Lernen ist nicht gleichbedeutend mit wissenschaftlich elaborierter Forschung. In Anlehnung an Altrichter und Poch verwende ich deshalb den Begriff „forschender Lehrer“/„forschende Lehrerin“. Forschendes Lernen in der Lehrerausbildung bezeichnet einen wissenschaftlichen Zugang auf das Berufsfeld. In der Lehrerbildung zielt das „forschende Lernen“ auf die Professionalisierung des Berufes ab, indem eine forschende Grundhaltung „einsozialisiert“ und damit entsprechende reflexive Kompetenzen vermittelt werden (Kuhn 2004, 69), die bei der Bewältigung der Schulpraxis einfließen sollen. Die Fähigkeit, schulisches Handeln forschungsorientiert analysieren zu können, ist eine personelle Ressource, die langfristig bei der Personal-, Unterrichts- und Schulentwicklung wirksam werden soll.


Projektförmiges Lernen

Forschendes Lernen macht eine stärkere projektförmige Organisation der Seminare notwendig. Ich führe Projektlernen in der Lehrerbildung aber auch aus fachdidaktisch-methodischen Erwägungen durch. Die Institution Schule und hier insbesondere der sozialwissenschaftliche Unterricht hat den gesellschaftlichen Auftrag, Schülerinnen und Schüler zur Mündigkeit und Demokratiefähigkeit zu erziehen. Kongruent zu diesem gesellschaftlichen Auftrag müssen auch die schulischen und unterrichtlichen Handlungsstrukturen „demokratisch“ sein, d.h. die Schülerinnen und Schüler müssen entsprechend ihres kognitiven und psycho-sozialen Entwicklungsstands in der Schule Mitbestimmungs- und Mitwirkungsrechte haben (Edelstein/Frank/Sliwka 2009, 235). Die Projektarbeit (projektorientiertes Lernen) wird von der Demokratiepädagogik (Ebd.) und von den sozialwissenschaftlichen Fachdidaktiken (Maier S. 589) als eine der bedeutsamsten didaktischen Konzeptionen und sozialen Organisationsformen des sozialwissenschaftlichen Unterrichts bewertet, weil im Rahmen der Projektarbeit die zentralen Bildungsziele des politischen Unterrichts, die Befähigung zum politisch reflektierten Denken und Urteilen sowie zu demokratischer Handlungsfähigkeit, eingeübt werden können. Aufgrund der Organisationsstruktur vieler Praxisseminare werden im Rahmen der schulischen Praxiskontakte oft „nur“ Mikromethoden umgesetzt. Die in der Tendenz einseitigen schulischen und universitären Lehrerfahrungen der Studierenden werden nicht aufgebrochen. Die projektförmige Organisationsstruktur von Seminaren zielt auf eine Veränderung der Unterrichtskultur, indem eine Alternative zum lehrgangsförmigen Unterricht aufgezeigt und erprobt wird (Konzepterweiterung).