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Profil der Sozialtheorie und Sozialpsychologie

Die Bezeichnung dieses Lehrstuhls gründet in den aktuellen Weiterentwicklungen der Fakultät in Forschung und Lehre. Sie entspricht zum einen dem verstärkten Interesse an einer sozialwissenschaftlichen Theoriebildung, die die vielfältigen theoretischen und anwendungsorientierten Aktivitäten der einzelnen Fächer untermauert und integriert. Zudem resultiert sie aus den Erfahrungen mit den neuen BA- und MA-Studiengängen; sie haben zur Konsequenz, dass fächerintegrierenden Sachbereichen wie "Politik, Wirtschaft und Gesellschaft" sowie "Individuum, Kultur und Gesellschaft" in der künftigen Lehre eine höhere Bedeutung beigemessen wird.

Im Folgenden soll kurz erläutert werden, was mit den Denominationen "Sozialtheorie" und "Sozialpsychologie" gemeint ist und worin der Sinn ihrer Verknüpfung liegt.

Die Bezeichnung Sozialtheorie greift neuere Tendenzen des theoretischen Diskurses in den Sozialwissenschaften auf. Sie zielt auf eine Theorie der Sozialwissenschaft, d. h. auf eine integrierende sozialwissenschaftliche Theoriebildung, die über die fachimmanenten Theorieansätze hinausführt. Derzeit verlaufen die theoretischen Aktivitäten in den einzelnen sozialwissenschaftlichen Fächern zumeist segmentiert. Das hat dazu geführt, dass die gleichen grundbegrifflichen und theoretischen Problemstellungen, beispielsweise die Fragen nach den handlungs- und entscheidungstheoretischen Prämissen, nach dem Mikro-Makro-Link, nach der Verbesserung von sozialen Steuerungsprozessen oder nach Erklärung und Stellenwert von Institutionen, an verschiedenen Orten gleichzeitig und unabhängig voneinander bearbeitet werden. Von einer integrierenden Sozialtheorie, die die theoretische Segmentierung der Fächer durchbricht, sind wichtige wissenschaftliche Synergie- und Innovationseffekte zu erwarten.

Die Bezeichnung Sozialpsychologie bezieht sich in dem hier gegebenen Kontext auf jüngere Entwicklungen der Sozialpsychologie, die in Anknüpfung an ihre interdisziplinären Ursprünge die Kluft zwischen psychologischer und sozialwissenschaftlicher Sozialpsychologie überbrücken wollen. Theoretisch zielen sie auf die Verbindung von sozialer Mikro-, Meso- und Makroebene, methodologisch auf die Verbindung von experimenteller Verhaltensforschung mit quantitativer und qualitativer Sozialforschung, fachlich auf die Verbindung von Sozialwissenschaften, Kultur- und Geistes- und Naturwissenschaften vom Menschen.

Der Sinn einer Verknüpfung von Sozialtheorie und Sozialpsychologie zeigt sich darin, dass sich beide seit längerem aufeinander zu bewegen. In der sozialwissenschaftlichen Theoriebildung haben sozial- und kulturpsychologische Fragestellungen wieder an Bedeutung gewonnen. In der Sozialpsychologie sind sozialtheoretische Problemstellungen wie der Mikro-Makro-Link bzw. die "Structure-Agency"-Thematik in den Vordergrund gerückt.