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Profil des Lehrstuhls Internationale Politik

Der Lehrstuhl für Internationale Politik (LSIP) beschäftigt sich in Forschung und Lehre schwerpunktmäßig mit der Internationalen Politischen Ökonomie (IPÖ). Die IPÖ befasst sich mit einem der beiden zentralen Bereiche des Politischen: Neben "Sicherheit" ist "Wohlfahrt" die Kernaufgabe des Staates und wichtiges Thema der Politikwissenschaft. Im Fokus praktischen Regierens wie wissenschaftlicher Analyse steht dabei die zunehmend grenzüberschreitend verlaufende Ökonomie. Was bei Adam Smith im 19. Jahrhundert noch als "Wealth of Nations" bezeichnet wurde und in der damaligen Wissenschaft die "Nationalökonomie" war, lässt sich heute immer weniger als nationales Phänomen begreifen.

Nach drei Jahrzehnten beschleunigter Globalisierung wäre die Analyse der Wechselwirkungen zwischen Politik und Wirtschaft aus einzelstaatlicher Perspektive wirklichkeitsfremd. Während Finanztransfers, Handel und Produktionsprozesse sich in wachsendem Ausmaß auf mehr als einem nationalen Territorium abspielen, bleibt die Politik aber nach wie vor überwiegend an nationalen Zielen und Maßnahmen ausgerichtet. Zentrales Element der IPÖ ist daher die Analyse der Ursachen und Auswirkungen grenzüberschreitender Entwicklungen, durch die die Unterscheidung zwischen "intern" und "extern" möglicherweise immer weniger wichtig für die Politik wird.

Internationale Politische Ökonomie lässt sich nur sehr vereinfacht als "Internationale Wirtschaftsbeziehungen" umschreiben. Denn der politikwissenschaftlichen Disziplin der IPÖ geht es um mehr. Das Feld stellt nicht nur grenzüberschreitende wirtschaftliche Vorgänge und deren politische Steuerung in den Mittelpunkt, sondern ebenso die theoretische und empirische Untersuchung des Verhältnisses zwischen Politik und Ökonomie. Diese theoriegeleitete Untersuchung erst führt von der deskriptiven Darstellung etwa von grenzüberschreitendem Güter- und Finanzaustausch zur Analyse der wechselseitigen Beeinflussung von Politik und Wirtschaft.

Grundlegende Fragen der IPÖ lauten beispielsweise: Was ist Globalisierung? Welche Gestaltungsspielräume hat die Politik? Mit welchen politischen Strategien ist dem Staatsziel "Wohlfahrt" näher zu kommen? Wie verändert weltwirtschaftliche Globalisierung staatliche und private Handlungsoptionen?

 
Derzeit werden am LS Internationale Politik mehrere Projekte durchgeführt, die sich mit drei grundlegenden Problemstellungen der aktuellen IPÖ beschäftigen:
 

1. Der erste Schwerpunkt befasst sich mit dem Thema der Global Economic Governance (GEG). Das multilaterale Management der Weltwirtschaft scheint in Anbetracht zunehmender Finanzkrisen (etwa in Asien und Lateinamerika) und Handelskonflikte (etwa zwischen den USA, der EU und der G 20) an Relevanz gewonnen zu haben. Umso erstaunlicher sind die oft unterschiedlichen Positionen nationaler Regierungen zur GEG, die bisher neue und wirksamere Regeln für globale Märkte verhindert haben. Hier stehen Fragen nach den Ursachen nationaler Strategien, nach der Relevanz von Interessen und Normen für die Erklärung der IPÖ im Vordergrund. Gegenstand der Forschung sind sowohl vergleichende Studien zur Divergenz nationaler Politik als auch zur Reform internationaler Wirtschaftsorganisationen wie dem Internationaler Währungsfonds, der Welthandelsorganisation und der Weltbank.

2. Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der Wirkungen von Globalisierung auf die wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit von Staaten: Wie verändert Globalisierung politische Optionen? Warum unterscheiden sich nationale Antworten auf Globalisierung? Gerade in Anbetracht des globalen Wettbewerbsdruckes überrascht, dass Staaten sehr unterschiedlich auf Globalisierung reagieren. Erforscht wird die Relevanz endogener Institutionen, Interessengruppen und Normen für die spezifische Form nationaler Antworten auf Globalisierung. Außerdem befasst sich dieser Schwerpunkt mit Handlungsoptionen von Regierungen und ihren Wirkungen.

3. In the last decade, policymakers and academic research have been increasingly discussing the new role of emerging countries in the world economy and in global governance. Countries such as Brazil, India, China and South Africa as well as Germany and Japan have been assigned a greater influence in economic as well as political matters in their regions and in world politics. The reasons for the assignment of a new role to these states are their demographic and geographic size, their growing economic and military capacities, and their political aspirations. The countries defined here under the rubric of emerging powers dominate their neighbors in terms of power over resources, that is, population, territory, military capacity, and gross domestic product. In addition, they articulate a wish to change the distribution of power in the international system and assume leadership roles in global governance. This increased ambition became visible, for instance, with the bid made by Brazil, India, Germany and Japan for permanent seats on the United Nations Security Council (UNSC) as well as in the first two countries leading role in the founding of the Group of 20 (G 20) at the Cancùn meeting of the World Trade Organization (WTO). In addition to striving for more influence in international institutions, emerging powers sometimes engage in increasing their autonomy vis-à-vis established powers and pursue regional alternatives to global governance.

 

Informationen über die jeweiligen Forschungsprojekte der Mitglieder des LSIP-Teams finden sich in den Publikationslisten und Lebensläufen unter der Rubrik "Team" sowie unter der Rubrik "Projekte" ("Global Economic Governance", "Globalisierung. Forschungsstand und Perspektiven" und "Emerging Powers in Global Governance")